Ziel muss es sein, dass Opfer sexualisierter Gewalt gesehen und gehört werden.

Rebecca Ruppert

Schaffung einer*s Landesbeauftragten kann nur der erste Schritt sein.

TOP 21 der Sitzung des Landtags am 11. Dezember 2025, Landesgesetz über die Landesbeauftragte oder den Landesbeauftragten gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen (LBSKM) (Gesetzentwurf der Landesregierung), kommentiert Rebecca Ruppert, Spitzenkandidatin der Partei Die Linke zur rheinlandpfälzischen Landtagswahl, wie folgt:

Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist ein Problem, dass noch immer mit viel Stigmatisierung und Scham für die Betroffenen behaftet ist, während Täter*innen viel zu oft ohne Konsequenzen davonkommen. Und leider wird oft unterschätzt, wie groß die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist, die von Übergriffen und sexuellem Missbrauch betroffen sind. Nach einer bundesweiten Studie des vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit seien knapp 13 Prozent aller Befragten im Kindes- oder Jugendalter mindestens einmal Opfer sexualisierter Gewalt gewesen. Laut MiKADO-Studie wird nur ein Drittel der Fälle mitgeteilt und gerade einmal 1% wird Ermittlungsbehörden oder Jugendämtern bekannt. Damit ist klar: Sexualisierte Gewalt ist ein zentrales Problem in unserer Gesellschaft, jeder Einzelne ist entweder selbst betroffen oder hat zumindest in Familie oder Bekanntenkreis jemanden, der es ist.

Dass der Landtag Rheinland-Pfalz heute die gesetzliche Grundlage für eine Landesbeauftragte oder einen Landesbeauftragten gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen (LBSKM) schafft, ist in meinen Augen ein dringend nötiger Schritt in die richtige Richtung. Aber dabei darf es nicht bleiben. Betroffene brauchen noch niedrigschwelligere Hilfsangebote, gerade im schulischen Umfeld. Dort müssen Lehrer*innen sensibilisiert und geschult werden, frühzeitig die Symptome von Missbrauch zu erkennen und dann auch handeln zu können. Allerdings muss auch die Verfügbarkeit von Schulsozialarbeiter*innen und vergleichbaren Unterstützungskräften dringend ausgeweitet werden. Bei oft über dreißig Kindern in den Klassen bleiben den Lehrer*innen kaum Möglichkeiten, neben dem Unterrichtsstoff noch auf subtile Verhaltensauffälligkeiten einzelner Kinder zu achten.

Ministerin Binz hat heute mit der LBSKM ein gutes Signal gegeben. In den kommenden Jahren werden wir den weiteren Weg im Landtag eng begleiten und fordern, dass zum Wohle der Kinder und Jugendlichen Ergebnisse folgen. Ziel muss sein, dass die Opfer sexualisierter Gewalt gesehen und gehört werden und sich Täter nicht länger in der Anonymität verstecken können. Wenn die Dunkelziffer abnimmt und die Betroffenen von der Gesellschaft geschützt werden, dann wird auch die Zahl der Übergriffe sinken.“