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Statement von Jörg Johann im Stadtrat

Jörg Johann

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Gäste,

am Montag in den Morgenstunden, auf dem Weg zu einem Kundentermin, erreichte mich die Nachricht, dass von meinem Account aus bei Facebook eine Kommentierung eines Beitrages von Malca Goldstein-Wolf abgesetzt wurde. Laut späterer Recherchen soll das am Sonntagnachmittag geschehen sein. Die Wortwahl und den Inhalt dieses Posts finde ich widerwärtig und ekelerregend. Diesen Post habe ich nicht geschrieben. Wer sich wie und wo Zugang zu meinem Account verschafft hat, bleibt für mich ein Rätsel. Es könnte viele Wege geben, entsprechende Posts in meinem Namen abzusetzen. Deshalb habe ich den Account sofort gelöscht, nachdem ich Kenntnis davon bekommen habe.

Es tut mir sehr leid, dass ich nicht persönlich in der Sitzung mein Statement verlesen kann. Die letzten Tage waren sehr schwer für mich und auch für meine Familie. So eine Situation sollte kein Mensch erleben müssen. Ich bedanke mich für die vielen wohlwollenden Worte von Freund*Innen, Nachbar*Innen, Arbeitskolleg*Innen und auch von Ratskolleg*Innen. Das hat gutgetan.

Den Vorwurf, ich wäre ein Antisemit, muss ich aufs schärfste zurückweisen. Niemals habe ich mich in irgendeiner Weise negativ über jüdische Mitbürger oder den Staat Israel geäußert. So etwas hat man von mir noch nie gehört. Warum mich jetzt Menschen, die mich seit Jahren kennen und noch nie antisemitische Aussagen von mir gehört haben, eben in diese Ecke stellen wollen, erschließt sich mir nicht. Und warum ruft denn keiner bei mir an oder meldet sich per Nachricht, bevor man diese Welle lostritt?

Gleichzeitig ist es verstörend und erschreckend, dass Jüdinnen und Juden immer wieder solchen Hass und solche Kommentare erleben müssen. Es tut mir leid, dass Malca Goldstein-Wolf auch diesen Kommentar lesen musste.

Wo früher das direkte Gespräch gesucht wurde, um nachzufragen und Unklarheiten zu klären, tritt heute allzu oft die öffentliche Anprangerung an dessen Stelle. Dabei zielen Angriffe nicht nur auf die politische Position, sondern auch auf die Person. Selbst schwerwiegende Folgen für die betroffenen Familien werden offenbar billigend in Kauf genommen. Eine solche Auseinandersetzung entmenschlicht Politik und untergräbt das Vertrauen in sie.

Den Menschen in Trier möchte ich sagen, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe. Ich für meinen Teil werde überlegen, ob ich meine Zeit tatsächlich weiterhin zum Wohle der Stadt und im Auftrag unserer Wähler wahrnehmen kann. Ehrenamtliches Engagement ist wichtig für unsere Gesellschaft. Politische Diskussion ist wichtig für die Demokratie. Aber die politischen Gegner müssen fair sein. Hart in der Sache, aber mit Achtung vor dem Menschen und der Bereitschaft, zuerst das direkte Gespräch zu suchen, bevor man jemandem aus politischem Kalkül öffentlich an den Pranger stellt und seine persönliche Zerstörung in Kauf nimmt.

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