Mehr als nur ein Uterus - heute ist Tag der Frauengesundheit

Julia-C. Stange

Wenn über Frauengesundheit gesprochen wird, geht es oft um Schwangerschaft, Geburt, Gynäkologie. Das ist wichtig - greift aber viel zu kurz.

 

Denn Frauengesundheit bedeutet weit mehr als medizinische Fragen rund um den weiblichen* Körper. Sie ist ein zentraler Bestandteil einer intersektionalen feministischen Gesamtpolitik. Wer gesund leben kann und wer krank wird, entscheidet sich nicht nur im Behandlungszimmer, sondern vor allem durch soziale Lebensbedingungen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und politische Entscheidungen.

Wenn über Frauengesundheit gesprochen wird, geht es oft um Schwangerschaft, Geburt, Gynäkologie. Das ist wichtig - greift aber viel zu kurz.

Denn Frauengesundheit bedeutet weit mehr als medizinische Fragen rund um den weiblichen* Körper. Sie ist ein zentraler Bestandteil einer intersektionalen feministischen Gesamtpolitik. Wer gesund leben kann und wer krank wird, entscheidet sich nicht nur im Behandlungszimmer, sondern vor allem durch soziale Lebensbedingungen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und politische Entscheidungen.

Gesundheit ist nicht individuell verteilt. Sie ist sozial verteilt.

Dabei erleben Frauen Gesundheit nicht alle gleich. Wer finanziell abgesichert ist, hat andere Möglichkeiten als eine alleinerziehende Mutter, eine migrantische Frau, eine Frau mit Behinderung oder eine ältere Frau mit wenig Einkommen.

Genau darum geht es beim Begriff intersektional.
Intersektionalität bedeutet, dass verschiedene Formen von Benachteiligung zusammenwirken können. Gesundheit wird nicht nur durch das Geschlecht beeinflusst, sondern auch durch:

Soziale Herkunft, Behinderung, Alter, Migrationsgeschichte oder sexuelle Orientierung.

Wer mehrere Belastungen gleichzeitig trägt, wird im Gesundheitssystem oft schneller übersehen.

Die sozialen Determinanten von Gesundheit sind seit Jahrzehnten bekannt: Armut macht krank. Unsichere Arbeits- und Wohnverhältnisse, belastende Lebensbedingungen und chronischer Stress wirken sich nachweislich negativ auf die Gesundheit aus. 

Vor allem Frauen übernehmen nach wie vor den größten Teil unbezahlter Care-Arbeit: Kinder versorgen, Angehörige pflegen, emotionale Verantwortung tragen, Familien organisieren. Diese Arbeit hält unsere Gesellschaft zusammen - wird aber finanziell entwertet und politisch zu wenig anerkannt.

Die Folgen sind konkret: Erschöpfung, psychische Belastung, Altersarmut und schlechtere Gesundheitschancen.

Besonders betroffen sind Frauen, die ohnehin mehrfach diskriminiert werden: Alleinerziehende, ärmere, migrantische, queere Frauen oder Frauen mit Behinderung. Viele erleben nicht barrierefreie Arztpraxen, fehlende Unterstützung oder schlechteren Zugang zu Vorsorge und Behandlung.

Gleichzeitig verschärfen aktuelle Gesetzesvorhaben wie die aktuelle Pflegereform oder GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz die soziale Ungleichheit weiter. Höhere Zuzahlungen, Leistungskürzungen, Einschränkung bei der Mitversicherung. 

Wer arm ist wird kränker, wer kränker ist wird ärmer.

Während Patient*innen sparen sollen, arbeiten Beschäftigte im Gesundheitswesen längst am Limit. Krankenhäuser werden nach Profit geführt, Pflegekräfte verschleißen im Schichtsystem und in der Kinder- und Jugendmedizin fehlt vielerorts Personal. Diese Profitlogik des Gesundheitswesens gefährdet längst die Versorgung aller und trifft die am meisten, die es brauchen.

Als Fachkinderkrankenschwester und alleinerziehende Mutter erlebe ich täglich, wie eng soziale Realität und Gesundheit zusammenhängen.

Deshalb sage ich: Wer Frauengesundheit ernst meint, muss über Strukturen sprechen. Über Care-Arbeit. Über Armut. Über Barrierefreiheit. Über Arbeitsbedingungen und Umverteilung. Über soziale Determinanten von Gesundheit.

Frauengesundheitspolitik darf nicht nur medizinisch gedacht werden. Sie muss gesellschaftliche Ungleichheit bekämpfen. 

Feministisch. Gesamtpolitisch. Sozial gerecht.