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Katrin Werner und Jochen Bülow

„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“.

Dem Andenken Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts

Am Abend des 15. Januar 1919 werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Wortführer des sozialen und antimilitaristischen Widerstands, die Führungspersönlichkeiten des Spartakusbundes und Mitgründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), heimtückisch und brutal von Rechtsextremisten ermordet. Zum 100. Jahrestag ihrer Ermordung erinnern wir an ihren Kampf gegen soziale Not und Militarismus – einen Kampf, den wir heute als LINKE gemeinsam mit den fortschrittlichen Kräften auf der ganzen Welt führen.

Den Hass ihrer Gegner hatten sich Luxemburg und Liebknecht durch ihren jahrelangen unermüdlichen Einsatz für die Interessen der arbeitenden und arbeitslosen und verarmten Bevölkerung zugezogen: Beide wurden dafür zu Kerkerhaft verurteilt, ihre Schriften wurden verboten, politische Betätigung untersagt. Dann überschlugen sich die Ereignisse in kürzester Zeit: Am 9. November 1918 hatte Liebknecht die Freie Sozialistische Republik Deutschland ausgerufen, am 1. Januar trat die KPD an die Öffentlichkeit, eine Woche später kam es im Gefolge des Spartakusaufstandes zu blutigen Straßenschlachten, rechtsextreme „Bürgerwehren“ suchten nach den roten Revolutionären, bewaffnete Truppen wurden zusammengezogen.

Noch am Vortag ihrer Ermordung hatte Rosa Luxemburg im Parteiorgan „Die Rote Fahne“ die revolutionären Aufstände trotz der folgenden Niederlage verteidigt und ihren Hoffnungen Ausdruck verliehen: „Die Massen sind das Entscheidende, sie sind der Fels, auf dem der Endsieg der Revolution errichtet wird. Die Massen waren auf der Höhe, sie haben diese „Niederlage“ zu einem Glied jener historischen Niederlagen gestaltet, die der Stolz und die Kraft des internationalen Sozialismus sind. Und darum wird aus dieser „Niederlage“ der künftige Sieg erblühen.“

Karl Liebknecht hatte sich noch bei Kriegsbeginn Mitte 1914 der SPD-Fraktionsdisziplin gebeugt und im Reichstag als Abgeordneter für die Kriegskredite gestimmt. Am 2. Dezember 1914 erhob er als einziger von 111 Abgeordneten seine Hand zum „Nein“: Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selbst gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes, um die politische Beherrschung wichtiger Siedlungsgebiete für das Industrie- und Bankkapital. Es handelt sich vom Gesichtspunkt des Wettrüstens um einen von der deutschen und österreichischen Kriegspartei gemeinsam im Dunkel des Halbabsolutismus und der Geheimdiplomatie hervorgerufenen Präventivkrieg. Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisierung und Zertrümmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung“.

Damals wie heute war und ist der Gegner einer Welt mit menschlichem und sozialem Antlitz der Kapitalismus, sein hemmungsloses Streben nach Mehrwert, seine schrankenlose Bereitschaft zu Ausbeutung von Mensch und Natur und die Unterdrückung jeder Gegenwehr, einschließlich der Anwendung schrecklichster Waffen und des Führens verheerender Kriege.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten schon vor 100 Jahren erkannt, dass es mit dem Kapitalismus keinen Frieden geben kann. Sie haben diese Erkenntnis nicht im stillen Studierstübchen formuliert, sondern vehement in die Welt getragen. Dafür wurden sie ermordet. Wir wollen deswegen nicht nur an die Ermordung der beiden Aushängeschilder der ArbeiterInnenbewegung vom Beginn des letzten Jahrhunderts erinnern, sondern wir wollen ihren Kampf weiterführen: Für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden!