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Fünf Fragen an ... Jovana Dzalto

Es ist mittlerweile gute Tradition, dass der Landesverband im Wahlkampf Interviews mit den Kandidierenden auf den vorderen Listenplätzen führt, die einen „Insider“-Einblick in das persönliche und politische Profil gewähren. In dieser Woche stellen wir unsere Fragen an Dr. Jovana Dzalto, Listenkandidatin auf Platz 5:

 

Liebe Jovana, als relativ neues Parteimitglied wurdest Du im letzten Jahr auf Platz 5 der Landesliste gewählt. Was hat Dich dazu bewegt, für DIE LINKE im Landtag zu kandidieren?

DIE LINKE ist für mich die einzige Friedenspartei Deutschlands und ich habe schon mein ganzes Leben lang „links“ gedacht. In meinem Eintrittsjahr 2019 hatte ich allerdings gleich mehrere Schicksalsschläge. Meine Mutter ist schwer erkrankt und ein Drittel meiner damaligen Arbeitskollegen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Ich habe mit angesehen, wie ganz normale Menschen wie du und ich plötzlich mittellos wurden und keine Hilfe bekamen, obwohl wir in einem der reichsten Länder dieser Welt leben. Gegen diese Ungerechtigkeit wollte ich kämpfen und so habe ich mich für den Eintritt in die Partei entschieden.

 

Du setzt einen deutlichen politischen Schwerpunkt bei allen Fragen, die mit Wirtschaft und Arbeitsplätzen zu tun haben. Wo gibt es in Rheinland-Pfalz Handlungsbedarf?

Schon seit Jahren und auch in der Corona-Krise wurden und werden in Rheinland-Pfalz Krankenhäuser geschlossen. Beispielsweise die Loreley-Kliniken in St. Goar und Oberwesel, da sie wirtschaftlich nicht tragfähig sind und keinen Gewinn ausschütten. Das ist vor allem während einer Pandemie untragbar für unser Bundesland, in welchem Intensivbetten für Corona-Patienten fehlen. Unser Gesundheitssystem gehört in öffentliche Hand und wir brauchen gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten statt Beifall vom Balkon.

Aber auch in anderen Berufen sind Leiharbeit, Befristung, Werkverträge und unbezahlte Praktika an der Tagesordnung. Menschen werden aus Profitgier entlassen und nicht, weil die Unternehmen Verluste schreiben. Daher möchte ich die Gewerkschaften und die Mitbestimmung stärken, damit nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinaus über Entlassungen und Löhne entschieden werden kann.

 

Wie muss sich der Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz entwickeln, um zukunftsfähig zu werden?

Öffentliche Aufträge dürfen nur noch an tarifvertraglich gebundene Unternehmen mit existenzsichernden Arbeitsplätzen vergeben werden. Darüber hinaus brauchen wir einen Mindestlohn von 14 €, um allen Arbeitnehmern ein Leben in Würde zu ermöglichen. Der gesellschaftliche Reichtum muss gerechter verteilt werden und Leiharbeit muss ein Ausnahmefall sein, nicht die Regel.

 

Persönlich bist Du auch mit den Themen Flucht und Integration beschäftigt. Wo siehst Du hier Handlungsbedarf?

Als ehemals Geflüchtete ist mir die Abschiebungs- und Integrationspolitik der Regierung schon lange ein Dorn im Auge. Als ersten Schritt müssen wir in Rheinland-Pfalz Frieden schaffen. Das heißt, dass wir die US-militärischen Stützpunkte in unserem Land in eine zivile Nutzung umwandeln und die Flächen und Arbeitskräfte für die regionale Entwicklung nutzen. Die Atomwaffen in Büchel müssen zerstört und alle US-Stützpunkte geschlossen werden, um in einem ersten Schritt die Fluchtursachen zu bekämpfen.

Der nächste Schritt ist die Integration der hier lebenden Migrant*innen. Ein großer Teil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund hat einen Verdienst unterhalb der Niedriglohnschwelle. Studien belegen, dass die Probleme unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund soziale und nicht kulturelle Ursachen haben. Ich bin der Meinung, dass wir durch eine gute und kostenlose Bildung für alle viel mehr erreichen als durch Sprachkurse. Menschen, die in Deutschland leben, sollen sich außerdem politisch engagieren können und brauchen unbedingt ein Wahlrecht.

 

Und zum Schluss: Was wird Deine erste politische Initiative im Landtag sein?

Wir brauchen die ökologische Wende nicht allein für Besserverdienende, sondern für alle. Deshalb müssen die Menschen in den Regionen selbst entscheiden können, wie ihre Zukunft aussieht. Ich würde mich dafür einsetzen, Sozial- und Wirtschaftsräte in Rheinland-Pfalz zu gründen, in denen Umwelt- und Sozialverbände mit Vertreter*innen aus Belegschaften und der Bevölkerung vor Ort über die Zukunft ihrer direkten Lebensumwelt mitentscheiden können.