17. Juli 2017 Rainer Böß, stellv. Kreis-und Fraktionsvorsitzender Kreis Birkenfeld

Straflager für Arbeitslose

Schlagworte: Sozial-Politik/ Rechtsextremismus/ NS-Zeit/ NSDAP/AfD/ Hartz-IV/ Agenda 2010/


Unter dem Titel "Die mit dem Schwarzen Winkel – Die vergessenen Verfolgten des Nazi-Regimes" referierte Manuela Holz von der Landesarbeitsgemeinschaft (gegen) Hartz IV Rheinland-Pfalz am Samstag, 08.07.2017 im DGB-Haus in Frankenthal.

Manuela Holz beleuchtete in einem 90-minütigen Vortrag einen heute allzu gerne vergessenen Aspekt der Nazi-Schreckensherrrschaft. Noch vor Juden, Kommunisten und Sozialisten wurden Hundertausende von Arbeitslosen in die Konzentrations- und Vernichtungslagerlager der Nazis geschickt.

Die Verfolgung von sogenannten Asozialen im Nationalsozialismus ist zwar seit langem bekannt, Forschung und Aufarbeitung dazu haben aber erst in jüngster Vergangenheit begonnen. Ungleichwertigkeitsdenken und Ausgrenzung, die der Konstruktion „asozial“ zugrunde lagen, haben eine komplexe Geschichte, und die ist nicht vorbei.

"Gesellschaftsfremd“, „arbeitsscheu“, „minderwertig“, „unangepasst“ oder „moralisch schwachsinnig“ - das sind nur einige der Adjektive, die mit dem Stigma „asozial“ bereits verbunden werden, als es zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals in der Literatur auftaucht. Von Anfang an werden unter dem Sammelbegriff pauschale, negative Zuschreibungen als „abweichendes Verhalten“ zusammengefasst, erweitert und zum Teil als vererbbar präsentiert.

Heute noch wird das Stigma benutzt, um soziale Missstände den Betroffenen anzulasten und Anpassungs- und Unterordnungsdruck zu erhöhen, deutlich sichtbar in der Hartz IV Gesetzgebung und dem sogenannten "sozialwidrigen Verhaltens, sowie dem gesellschaftlichen Bild der sogenannten "Hartzer".

Viele Parallelen zu den heutigen Agenda 2010 (Hartz IV)-Gesetzen und der durch Politiker und Medien gezielt durchgeführten Diskriminierung von Arbeitslosen mit Begriffen aus der Nazizeit (Arbeitsscheu, Asozial) wurden erkennbar. Auch im Hinblick auf die wahren Ziele der AfD mit ihrem rechtsgerichteten Gedankengut sollten nach Meinung der Diskussionsteilnehmer insbesondere Arbeitslose, Aufstocker und Rentner mit Grundsicherung wissen, dass die NSDAP unter Hitler sofort nach der Machtergreifung Arbeitslose durch das Programm "Vernichtung durch Arbeit" gezielt und geplant in den Arbeitslagern in den Tod schickte.
Durch die repressive und diskriminierende Hartz-IV-Gesetzgebung, so ein Teilnehmer, werden jährlich Tausende in die Depression und den Freitod getrieben.

Diskussionsteilnehmer waren davon überzeugt, dass Arbeitslose und arme Menschen die ersten wären, die unter einer Regierungsbeteiligung der rechtsnationalen AfD zu leiden hätten. AfD-Funktionäre würden ja schon unverhohlen fordern, Arbeitslosen das Wahlrecht zu entziehen.

In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion wurde festgestellt: Dieser Aspekt des 3. Reichs wurde nicht "aufgearbeitet", sofern man überhaupt von "Aufarbeitung" sprechen kann. Möglicherweise sei das kein Zufall! Die Agenda 2010 samt den Hartz-Gesetzen wäre vielleicht nicht so durch gegangen, gäbe es in der Bevölkerung auch nur den Ansatz eines Bewusstseins für diesen Teil der Geschichte.


Manuela Holz ist Direktkandidatin der LINKEN im Wahlkreis Bad Kreuznach/Birkenfeld und tritt auf Platz 5 der Landesliste Rheinland-Pfalz zur Bundestagswahl an.

RaB


Fotos der Veranstaltung: