29. August 2011 DIE LINKE RLP, Landesvorstand

Resolution zu den Protesten in Chile

Bildung für alle! Frei­heit für die poli­ti­schen Gefan­genen Mapuche! Weg mit dem Anti-Ter­ror­ge­setz der Dik­tatur! Nein zu zer­stö­re­ri­schen Großprojekten wie Hid­ro­aysén!

Seit Mai dieses Jahres kommt es zu heftigen Protesten und sozialen Unruhen in Chile – und kaum jemand nimmt Notiz davon. Sowohl Studenten wie auch Arbeiter (vor allem der Kupferindustrie) protestieren gegen das ungerechte und selektive Bildungssystem, gegen Perspektivlosigkeit und Unterfinanzierung, gegen staatliche Willkür.

Nach Angaben von chilenischen Studenten waren in Santiago de Chile am Dienstag letzter Woche bis zu 150.000 Menschen auf die Straße gegangen. Auch in anderen Städten im Land gab es Demonstrationen, unter anderem in Concepción und Valparaíso. Mehr als 800 Menschen wurden vorläufig festgenommen.

Bis zu 90 Prozent der Chilenen kommen mit ihrem Gehalt nicht über den Monat. Die soziale Ungleichheit ist in Chile enorm groß. Die Menschen gehen in Massen auf die Strasse, besetzen Schulhäuser und legen Hungerstreiks für eine gerechte und kostenlose Bildung für alle ein. Mehrmals kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Ordnungskräften. Die universitäre Ausbildung in Chile ist die teuerste der Welt. Ob staatlich oder privat, den meisten Studenten bleibt nichts anderes übrig, als bei einer Bank einen Kredit aufzunehmen. Es wird geschätzt, dass jeder Student mit Schulden von durchschnittlich 40 000 Dollar die Uni abschließt. Die Armen würden es in der Regel gar nicht erst bis an die Uni schaffen.

Die Schüler und Studenten kritisieren die zunehmende Privatisierung des Bildungssystems, die unter der Diktatur massiv forciert und fortgeführt wurde. Die Folgen sind vor allem für die sozial benachteiligten Teile der Bevölkerung verheerend.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte deswegen mehrfach eine soziale Reform im Bildungssystem angemahnt.

Bildung ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht. Jeder Mensch hat das Recht auf einen diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung, das ist längst in den Menschenrechten verankert. Der Zugang zu Bildung darf niemals vom Geldbeutel der Betroffenen und ihrer Familien abhängen. Jede neoliberale Regierung dieser Erde, die die Bevölkerung von Bildungsangeboten abschneidet und auf diese Weise ganze Lebensschicksale bestimmt handelt gegen die Rechte des Menschen im Allgemeinen.

Neben den Protesten gegen Privatisierung und soziale Ungerechtigkeit im Bildungswesen, richten sich die Aktionen der Demonstranten auch gegen die Anti-Terror Gesetzgebung, die noch aus der Zeit des menschenverachtenden Diktators Pinochet stammt.

Seit bereits über 60 Tagen befinden sich 4 poli­ti­sche Gefan­gene der Mapuche im Hun­ger­streik. Sie for­dern eine Annul­lie­rung des auf dem Anti­ter­ror­ge­setz basie­renden Gerichts­ver­fah­rens, in dem sie zu mehr als 20 Jahren Haft ver­ur­teilt wurden. Bereits letztes Jahr hatten 34 poli­ti­sche Gefan­gene Mapuche einen über 80 Tage andau­ernden Hun­ger­streik durch­ge­führt, der von breiten sozialen Pro­testen begleitet wurde.

Ein wei­terer skan­da­löser Fall der Kri­mi­na­li­sie­rung der sozialen Bewe­gung ist der so genannte „Caso Bombas“. 15 Men­schen aus dem anar­chis­ti­schen Spek­trum wurden mona­te­lang ein­ge­sperrt, bis sie in den letzten Wochen – auf­grund feh­lender Beweise – wieder frei­ge­lassen wurden. Auch diese Will­kür­maß­nahmen waren nur mög­lich durch Anwen­dung des Anti­ter­ror­ge­setzes.

Die neo­li­be­rale chi­le­ni­sche Regie­rung setzt wei­terhin auf zer­stö­re­ri­sche Groß­pro­jekte um die Ener­gie­ver­sor­gung des „chi­le­ni­schen Wirt­schafts­wun­ders“ abzu­si­chern. Der Bau von Rie­sen­stau­dämmen in Pata­go­nien ist lan­des­weit sehr umstritten. Es kam zu spon­tanen Demons­tra­tionen. In San­tiago gingen über 30 000 Men­schen auf die Straße, um gegen Hid­ro­aysén zu pro­tes­tieren. Die Polizei ging brutal mit Was­ser­wer­fern und Trä­nengas gegen die Demons­tran­tInnen vor und ver­haf­tete viele.

DIE LINKE stellt den Neoliberalismus nicht zuletzt deshalb radikal in Frage. Es muss Schluss sein mit der Enteignung des Menschen durch die profitgierigen neoliberalen Kräfte in Chile, in Deutschland, in der Welt. Politik muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen, nicht seine Ausbeutung durch das Kapital.

Ebenso muss Schluss sein mit polizeilicher Willkür. Die neoliberale Politik ist gescheitert, die Systemkrise u.a. an den Börsen macht dies deutlich. Um nicht von den Menschen hinweggefegt zu werden, machen die Neoliberalen immer mehr Gebrauch von Militär und Polizei um Proteste gegen Ausbeutung und Renditewahn zu beenden. Dies sehen wir mittlerweile auch in Europa, Griechenland und Spanien seien genannt. Wir schließen uns daher den Forderungen der chilenischen Demonstranten nach Abschaffung der Anti-Terror-Gesetze in Chile an. Pinochets Erbe muss vollständig von diesem Planeten getilgt werden! Politische Gefangene sind freizulassen!

Wir soli­da­ri­sieren uns mit den sozialen Pro­testen in Chile und for­dern ein Ende der Kri­mi­na­li­sie­rung sei­tens des chi­le­ni­schen Staates.

Wir stehen an eurer Seite im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung der Vielen durch Wenige. Wir kämpfen mit euch gegen den neoliberalen Wahn und für Bildungsgerechtigkeit. Schluss mit Ausbeutung, Unterdrückung und Privatisierung der Bildung!

 

Vamos Companeros!